Fugenzeichnungen, 25 x 23,5 cm, Cusco, Peru, 1986
Fugenzeichnungen, 25 x 23,5 cm, Cusco, Peru, 1986

Cusco Zeichnung

Warum ich die Fugen zwischen den Steinquadern der monumentalen Tempelbauten in Peru auf meinen mitgebrachten Butterbrotspapierbögen abtasten musste, mit Graphit und Fingern, zwar komponiert, obwohl, wegen der Aufregung doch recht wenig bedacht, wusste ich erst einige Jahre später. Ich hatte nicht daran vorbei gehen können, sie hielten meine Aufmerksamkeit gefangen. Ich gehorchte, trotz des kalten Schweißes, der mir aus den Achseln floss, während ich die kleinen Papierbögen schnell über die Risse presste.

Wir waren mitten in dem Gebiet, in dem die "Sendero Luminoso" mit den peruanischen Staatstruppen kämpften. Das Gleiche? Die Widersprüchlichkeit meines Sammelns in diesem Jahrhunderte andauernden Moment, nahm ich wahr, um seine Mehrdeutigkeit machte ich mir noch lange Sorgen. Immer wollen wir es gesehen haben. Und darüber vergehen die Momente. Aber die Risse, vor 450 Jahren von europäischen Augen gesichtet, aber nicht wahrgenommen, mitsamt dem eingeschmolzenen letzten Inkakönig Atahualpa, zumindest die Feinheit der Verfugungen dieses Sonnentempels, wurde von uns erst im zwanzigsten Jahrhundert erkannt. Ihre Wertschätzung war dennoch vor 600 Jahren größer als vor 500 Jahren und ab dann.

Risse, schmale Durchgänge zum Woandershin. Hinter ihnen verbirgt sich, was ich suche. Aber so reduziert? Wer mochte mit mir diese bleischwere Freude empfinden, einer Linie zu folgen, die um die Ecke biegt, ohne rechten Winkel, schräg und dann nach oben?

Ich bin eine Diebin ihrer Poesie.