Ladelund

Der unsichtbare Ort

Ladelund, ein kleines Dorf in Nordfriesland, nahe der dänischen Grenze, musste noch in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs, im Winter 1944, ein Außenlager des KZ Neuengamme aufnehmen. Dorthin verschleppte Gefangene mussten Panzergräben ausheben, vier Meter tief, vier Meter breit, den sogenannten Friesenwall, der das Reich vor einer Invasion an der gesamten Westküste und Nordgrenze schützen sollte. Dieser absurde Führerbefehl sollte 2010 mit einem Denkmal im Zusammenhang mit dem Dokumentationszentrum Ladelund reanimiert werden. Von der Kommission zunächst gewünscht war ein „authentischer“ Aushub des zugewachsenen Grabens. Für eine Erinnerung wollte ich eine Erweiterung des Raums erreichen: einen hellen Ort der Besinnung, der mit der Zeit sogar hoch wächst, statt in der Tiefe zu verschwinden. Auf Trümmern wachsen Birken: in Bergen-Belsen, Buchenwald oder Ravensbrück. Der unsichtbare Ort, symbolisiert einen Nichtort, der nicht hätte sein dürfen. Eine Leerstelle im Raum, die eine Begrenzung des Verschwindens darstellt durch die Schaffung eines hellen, stillen und neu wachsenden Raums am Horizont des Blicks aus dem Fenster des Dokumentationszentrums. Ein Birkenhain, der die Verlängerung der ehemaligen Lagerstraße bildet. Was geschah, ist noch immer unfassbar, es entspricht einem bewusstlosen Loch in der Wahrnehmung.

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